Nach der ersten Enttäuschung, dass im eigentlich sehr schneesicheren Kössen in Österreich kein Schnee liegt, lassen wir die erste Frühlingssonne unsere grauen Berliner Gesichter erröten und düsen mit E-Bikes durch die Berge.
Wenn man will, kann man fast überall hin mit Zügen und Bussen fahren. Wir machen die Probe aufs Exempel und landen mit einigen Zwischenstops tatsächlich in Österreich in Kössen. Schön ists hier und sonnig! Wir freuen uns über die Sonne nach dem mal wieder kräftezehrenden grauen Winter in Berlin. Und Schnee war auch ma wieda keina in Bärlin, wa! Leider hier ooch nüschd. Es ist halt schon März und nicht nur das Klima wandelt. Wandeln wollten wir auch und hatten uns erhofft, hier könnte man noch schneewandern oder gar Langlaufen aber man kann hier nur lang laufen und zwar komplett ohne Schnee. Außer man fährt auf über 1260 Höhenmeter auf die Hemmersuppenalm und trinkt hervorragendes Bier und isst a g´schmackige Brezensupp´n im tollen Alpengasthof Hindenburghütte.
Das haben wir am Vortag schon gemacht, heute haben wir uns ausgedacht, uns ein E-Bike auszuleihen und um den schönen Walchsee zu flitzen. Und da es hier für Berliner Verhältnisse doch recht hügelig ist, solls ein von uns zutiefst verabscheuenswürdiges Rad mit elektrischer Hilfe werden. Quatsch, wir mögen E-Bikes, wir waren an ein paar Stellen sehr froh die Unterstützung anmachen zu können bei unserer ersten Tour des Jahres.
Unsere Ferienwohnung im Haus Elisabeth liegt etwas außerhalb des Ortskerns, das ganz liebevoll von Ferdinand Gianmoena geführt wird. Unsere Ferienwohnung namens Michael liegt im oberen Stockwerk, hat einen riesigen Balkon der im rechten Winkel von der Küche bis zum Schlafzimmer reicht, und einen atemberaubend schönen Blick auf das Kaisergebirge.
Nur ein paar hundert Meter entfernt kann man allerhand Sportliches erleben bei Sport und Natur Abenteuer. Dort haben wir unsere Räder geliehen, sehr freundlich, gut organisiert und fachkundig waren sie, die Menschen natürlich, die Räder waren aber auch gut.
Unsere Strecke hatte ich im Internetz rausgesucht und die wurde auch fachfraulich überprüft, verkorkt und für gut befunden. Die 37 km lange Kaiserweis Käserunde war super zu fahren, ohne Autoverkehr auf eigenen, geteerten Radwegen. Sie war so perfekt, dass wir uns vorkamen als wären wir auf einem eigen für uns angelegten Parkour. Es war ja auch noch Nebensaison! Die Landschaft ist ein Traum und die paar Steigungen stecken wir locker weg mit dem E-Antrieb.
Wir machen Zwischenstop bei der Metzgerei Gründler in Kössen und decken uns mit leckeren Sachen für ein kleines Picknick ein – alles war köstlich (Pfeffersalami, Kartoffelsalat, Estragonsenf, Brezen…)!
Die Sonne und die ersten Blüten nutzen wir aus und fotografieren die zweimonatliche Printausgabe des PiB Guide! Wir betreiben ja Photography in Berlin (PiB) zusammen, die kuratierte Plattform für künstlerische & dokumentarische Fotografie in Berlin, Brandenburg & darüber hinaus.
Im wunderschönen Walchsee machen wir eine kurze Pause, bewundern den gleichnamigen und chillen in der Sonne. Wir können in Walchsee die Café Konditorei Praschberger empfehlen, die erstklassigen Apfel- und Topfenstrudel anbietet und uns auch auf Anfrage gegen Entgelt welchen herausgegeben hat und der dann auch sofort verköstigt wurde.
Wir fahren nun noch an der Schwemm, das immerhin mit 65 Hektar größte zusammenhängende und einzige Moorgebiet in Nordtirol vorbei. Dann geht es an der Südseite des Walchsees entlang, über einige Höhenmeter mit tollen Aussichten durch das gar nicht öde Oed zurück Richtung Kössen.
Wir hatten schon fast vergessen, dass bis letzte Woche hier noch Schnee lag und das wurde uns jäh in Erinnerung gerufen als wir ein schattiges Waldstück durchquerten und es plötzlich eiskalt wurde und vor uns noch Schneereste lagen.
Wir holzen dann durch Durchholzen Richtung Kössen und müssen gestehen, dass wir die Käsereien der Tour ein wenig ignoriert haben. Dabei lieben wir Käse und haben später im tollen Käseladen Kaiserwinkl Sennerei Sennstube in Kössen noch sehr guten 12-monatigen Bergkäse gekauft. Wer aber eine Herausforderung sucht, kann zur Almkäserei Feldalm fahren, die das doppelte Alm in ihrem Namen bestimmt zu recht hat. Überhaupt gibt es hier viele fordernde Mountainbike Routen, wenn das jemandem Spaß macht.
Wir passieren noch Hermon’s Hof | Obst-Brennerei Weingartner & Kutschfahrt in Kössen, Heimat der sehr freundlichen und sympathischen Familie Weingartner, die nicht nur wirklich schöne Kutschfahrten anbietet sondern auch sehr guten Gin. Wir können beides empfehlen weil wir es beides am nächsten Tag probieren durften. Also nacheinander, wir trinken nicht beim Fahren, auch nicht beim Kutschfahren.
Das war schon verrückt, gestern ein Winterparadies auf 1000m und heute fast schon Sommer! Der Tag ist wie im Fluge vergangen und wir lassen ihn ausklingen im äußerst angenehmen wie leckeren Gasthof zur Post der Familie Mühlberger in gemütlicher Atmosphäre im Kaminzimmer.
Kaiserweis Käserunde | ca. 37 km | GPX-Download
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